missbrauchsprozess
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30-JĂ€hriger soll sich an zwei Heimkindern vergangen haben

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Lesedauer 4 Minuten

Im Saarland steht ein Mann im Verdacht, zwei Kinder aus einer Caritas-Einrichtung sexuell missbraucht zu haben. Trotz des Wissens des Heimes soll die Tat erst Wochen spÀter bekannt geworden sein.

Von Michi Jo Standl

+++ Update 10. Dezember 2020: Der Angeklagte wurde zu ĂŒber sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Lesen Sie mehr dazu hier. +++

SaarbrĂŒcken. Sexueller Missbrauch von Kindern – ob in der Familie oder durch Fremde – ist mitunter eines der schlimmsten Verbrechen. 2019 erfasste die Polizei deutschlandweit 15.701 FĂ€lle. Wenn man an die Dunkelziffer – laut KinderschĂŒtzer jĂ€hrlich eher im sechsstelligen Bereich – denkt, muss man nicht besonders empathisch sein, damit es einem die Zornesröte ins Gesicht treibt. Stets bleibt die Frage nach dem „Warum?“, die fĂŒr BĂŒrger selbst durch psychiatrische Gutachten meist unbeantwortet bleibt.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Einrichtung

Vor der großen Jugendkammer des SaarbrĂŒcker Landgerichts ist ein 30-JĂ€hriger angeklagt. H. S. wird beschuldigt, den zum Tatzeitpunkt 11-JĂ€hrigen Kevin* und die damals 10 Jahre alte Annika* sexuell missbraucht zu haben. Die Kinder waren in einer Wohngruppe fĂŒr Kinder aus teils schwierigen VerhĂ€ltnissen der Caritas-Einrichtung „Haus Christophorus“ im Saarlouiser Stadtteil Fraulautern untergebracht. Das Haupthaus befindet sich in Dillingen/Saar. Zu der abscheulichen Tat soll es am 3. September 2019 gekommen sein. Die Kinder waren alleine außerhalb der Wohngruppe unterwegs. Zwei Tage spĂ€ter vertrauten sie sich einer Erzieherin an. „Wir mussten das erst verarbeiten“, wird Kevin seiner Mutter Anne C. spĂ€ter erklĂ€ren. Die Einrichtung soll nicht auf die Berichterstattung der Kinder reagiert haben – keine Anzeige, kein Gang zum Arzt. Auch die Mutter soll nicht informiert worden sein. Erst am 21. September hatte Kevin‘ bei einem Besuchskontakt die Möglichkeit, ihr von dem schrecklichem Vorfall zu berichten. Anne C. war außer sich und erstattete Anzeige gegen die Einrichtung wegen Strafvereiteilung. Die Staatsanwaltschaft SaarbrĂŒcken bestĂ€tigte, dass gegen das „Haus Christophorus“ ermittelt wird. Kevin wohnt inzwischen wieder bei seiner Mutter und seinem Stiefvater. Annika hingegen befindet sich immer noch in der Einrichtung, da fĂŒr sie das Sorgerecht – im Gegensatz zu Kevins Mutter fĂŒr ihren Sohn – das Jugendamt hat.

In einem WaldstĂŒck soll es passiert sein

An jenem spĂ€tsommerlichen Septembertag wurde Kevin und Annika von den Erzieherinnen offenbar erlaubt, die Innenstadt von Saarlouis zu besuchen, wenige Minuten mit dem Bus. Sie verbrachten einige Stunden zusammen, bevor sie wieder zur Gruppe fahren wollten. An der Bushaltestelle am Hauptbahnhof soll S. die Kinder angesprochen haben. Wie Kevin seiner Mutter erzĂ€hlte, habe sich der mutmaßliche TĂ€ter als „Alex“, 17 Jahre, vorgestellt. „Er hat uns daran gehindert, in den Bus einzusteigen“, fĂŒhrt Kevin seiner Mutter gegenĂŒber aus. Also haben sich die Kinder zu Fuß auf den Weg gemacht. S. soll die beiden ĂŒberredet haben, ihn zu begleiten. In einer UnterfĂŒhrung am Hauptbahnhof kam es laut Kevin zum ersten Übergriff. S. soll den Kindern jeweils eine Zigarette in den Mund gesteckt und diese angezĂŒndet haben. „Das haben wir aus Angst gemacht“, so Kevin. Auf der Strecke in Richtung Fraulautern in einem kleinen WaldstĂŒck soll es zu der widerwĂ€rtigen Tat gekommen sein: Nachdem S. die Kinder erneut zum Rauchen ĂŒberreden wollte, was sie verweigerten, soll es zum schweren sexuellen Missbrauch an Kevin und sexuellen Missbrauch an Annika gekommen sein. Die Polizei konnte den TatverdĂ€chtigen ermitteln, da er bereits im August im Bereich der Wohngruppe auffĂ€llig geworden sein soll.

Anzeige war nicht mehr auffindbar

WĂ€hrend der Ermittlungen gegen der „Haus Christophorus“ waren die Verfahrensakten verschwunden. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft SaarbrĂŒcken, Mario Krah, bestĂ€tigte das Abhandenkommen der Unterlagen. „Die Verfahrensakte wurde von der zustĂ€ndigen Dezernentin an die zur Bearbeitung von Sexualdelikten zustĂ€ndige Fachdienststelle des LandespolizeiprĂ€sidiums abverfĂŒgt und kam dort nicht an oder ging dort im GeschĂ€ftsgang verloren“, erklĂ€rt Krah. Die Ursache könne er allerdings nicht nachvollziehen. So etwas kĂ€me immer wieder vor. Er gehe aber nicht davon aus, dass die Akten absichtlich entwendet wurden.

Vor Jahren schon Ermittlungen wegen Kinderpornos

Wie die Staatsanwaltschaft SaarbrĂŒcken bestĂ€tigte, war gegen den TatverdĂ€chtigen bereits 2013 ein Verfahren wegen des Verdachts der Verbreitung von kinderpornographischen Schriften anhĂ€ngig. Das Verfahren sei damals aber unter dem Gesichtspunkt der Gesamtstrafenbildung eingestellt worden, erklĂ€rt Staatsanwalt Krah. Der Angeklagte in dem aktuellen Strafverfahren wurde damals rechtskrĂ€ftig wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls und mehrerer Diebstahldelikte zu einigen Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Bei mehreren Delikten kann ein Verfahren zu einem Vorwurf, der bei einer hohen Gesamtstrafe nicht sonderlich ins Gewicht fĂ€llt“, nach § 154 Strafprozessordnung (StPO) eingestellt werden. In welchem Ausmaß der Angeklagte Kinderpornos verbreitet haben soll, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.

Sowohl fĂŒr den mutmaßlichen TĂ€ter als auch die Einrichtung und die Erzieherinnen gilt bislang die Unschuldsvermutung.

* Namen geÀndert

Michi Jo Standl
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8 Kommentare

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