revision
Foto: Standl

Revision nach Missbrauchsurteil gegen Saarbr├╝cker Therapeuten: Verteidiger fordert Haftentlassung

Artikel mit Freunden teilen
Share on Facebook
Facebook
Pin on Pinterest
Pinterest
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin
Lesedauer 3 Minuten

Nach der Verurteilung des Saarbr├╝cker Psychotherapeuten Walter P. wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes hat dessen Verteidiger Revision eingereicht.

Von Michi Jo Standl

Saarbr├╝cken. Nach dem Urteil gegen den Saarbr├╝cker Psychotherapeuten Walter P. (74) hat dessen Verteidiger Lars Nozar Revision eingereicht. P. ist im Dezember von der Jugendkammer II des Landgerichtes Saarbr├╝cken wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass P. 2005 und 2006 das damals acht Jahre alte Opfer missbraucht hatte. Der inzwischen 23-J├Ąhrige war damals bei dem Therapeuten in Langzeittherapie. Nozar fordert die Aufhebung des Urteils und die Neuverhandlung vor einer anderen Kammer des Landgerichtes sowie die Aufhebung des Haftbefehls.

Ist P. verhandlungs- und haftunf├Ąhig?

Im Wesentlichen r├╝gt Nozar in der Revisionsbegr├╝ndung das Gericht, trotz psychischer und k├Ârperlicher Verhandlungsunf├Ąhigkeit seines Mandanten den Prozess fortgesetzt zu haben. Dabei beruft sich der Rechtsanwalt auf eine Stellungnahme der Ober├Ąrztin einer Privatklinik in Bayern und auf ein Attest eines Saarbr├╝cker Psychiaters. Die ├ärzte zweifeln auch die Haftf├Ąhigkeit des Beschuldigten an. In der Privatklinik ist P. im September festgenommen worden, nachdem er nicht zum Prozessauftakt erschienen war.

Zu den Vorw├╝rfen gegen ihn hatte sich der Angeklagte w├Ąhrend des gesamten Prozesses nicht ge├Ąu├čert. Nozar weist darauf hin, dass er den Eindruck gehabt habe, dass sein Mandant zwar k├Ârperlich, aber nicht geistig anwesend sei.

Wie l├╝ckenhaft d├╝rfen die Aussagen eines damals Achtj├Ąhrigen sein?

Des weiteren erinnert Nozar das Gericht, dass sich das Opfer nicht mehr an Einzelheiten erinnern k├Ânne. Er macht die mutma├čliche Unglaubw├╝rdigkeit des Opfers an der Aussage der psychiatrischen Sachverst├Ąndige Prof. Petra Retz-Junginger fest. Diese geht davon aus, dass die „Aussagefragmente“ des Opfers nicht ausreichten, um mit hoher Wahrscheinlichkeit zu sagen, ob das Opfer das Geschilderte auch tats├Ąchlich erlebt habe.

Fall k├Ânnte erneut Bundesgerichtshof besch├Ąftigen

Der Missbrauch ist erst 2010 – gut vier Jahre nach dem Missbrauch – ans Tageslicht gelangt, nachdem sich das Opfer seiner Mutter anvertraut hatte. Daraufhin wurde P. der Prozess gemacht. 2012 verurteilte ihn das Landgericht Saarbr├╝cken zu sechs Jahren Freiheitsstrafe. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob im gleichen Jahr das Urteil wegen angeblicher Verfahrensfehler auf und gab das Verfahren an das Saarbr├╝cker Landgericht zur Neuverhandlung zur├╝ck. P. konnte aber erst vergangenes Jahr erneut verurteilt werden, weil ihm schon 2011 von dem selben Psychiater, von dem das aktuelle Attest stammt, Verhandlungsunf├Ąhigkeit attestiert worden war. All die Jahre hat er in Freiheit verbracht.

Wie der Anwalt des Opfers, Prof. Christian Laue, mitteilt, geht nun die Revisionsbegr├╝ndung samt seiner Gegenerkl├Ąrung und der der Staatsanwaltschaft an den BGH. Dieser muss dann ├╝ber die Revision entscheiden. „Zun├Ąchst wird aber eine Stellungnahme der Bundesanwaltschaft eingeholt“, so Laue. Diese kann die Revision als unbegr├╝ndet abweisen.

 

Michi Jo Standl
Artikel mit Freunden teilen
Share on Facebook
Facebook
Pin on Pinterest
Pinterest
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.