Der Angeklagte P. wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben, im Hintergrund sein Verteidiger Dr. Lars Nozar. Foto: Standl

Psychologe soll sich schon vor ├╝ber 30 Jahren an Alleinerziehende rangemacht haben

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Lesedauer 3 Minuten

Eine heute 57-J├Ąhrige sprach ├╝ber ihre Beziehung zum wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern angeklagten Walter P.

Von Michi Jo Standl

+++ Update 11. Dezember 2020: Der Angeklagte wurde vom Landgericht Saarbr├╝cken verurteilt. Lesen Sie mehr dazu hier. +++

Saarbr├╝cken. Weiterer Verhandlungstag vor der Gro├čen Jugendkammer II des Landgerichts Saarbr├╝cken am Freitag: Dem Saarbr├╝cker Psychologen Walter P. wird vorgeworfen, sich von 2004 bis 2006 an einem Jungen, der bei ihm in Therapie war, missbraucht zu haben. Dem heute 74-J├Ąhrigen wird erst jetzt der Prozess gemacht, weil 2012 der Bundesgerichtshof das Urteil (6 Jahre Haft) wegen Verfahrensfehler aufgehoben hat. (storyrecherche.de berichtete). Seitdem galt P. aufgrund eines Attests als verhandlungsunf├Ąhig. Ein aktuelles vom Gericht beauftragtes psychiatrisches Gutachten bescheinigt , dass P. sehr wohl verhandlungsf├Ąhig ist.

Das Schweigen des Psychologen

In den Gerichtssaal wurde P. von einem Justizbeamten im Rollstuhl geschoben, den Kopf mit seinem Pullover verdeckt. Nach der Aufforderung des Richters, sich zu zeigen, zog der Psychologe seinen Mund-Nasen-Schutz bis ├╝ber die Augen, stellte sich offenbar schlafend – sagte kein Wort, beantwortete keine Fragen des Richters. P.’s Verteidiger Lars Nozar versuchte, seinen Mandanten erneut aus der Aff├Ąre zu ziehen: Es sei nur fair, wenn der Angeklagte nicht nur physisch, sondern auch psychisch anwesend sei. Doch der Vorsitzende Richter Ralf Schwinn stieg auf den Versuch nicht ein.

„Mir viel schon auf, dass er an mir kein Interesse hat“

Als Zeugin war auch eine heute 57-J├Ąhrige geladen. Nicht zum aktuellen Gegenstand der Verhandlung, sondern damit das Gericht mehr ├╝ber P’s vermeintliches p├Ądophiles Leben erf├Ąhrt. Die Frau hatte den Psychologen in den 80er Jahren ├╝ber eine Kontaktanzeige kennengelernt. Jung, alleinerziehend, wenig Geld. Sie sah P. als freundschaftlichen „G├Ânner“. Er k├╝mmerte sich um ihr Kind, spielte mit ihm, verreiste mit den beiden – unter anderem an den Genfer See. „Wir h├Ątten uns das alles nicht leisten k├Ânnen“, erz├Ąhlte die Frau dem Richter. Den Wunsch nach einer Beziehung gab sie irgendwann auf. „Ich merkte schon, dass er an mir kein Interesse hatte.“ An dem Tag, an dem ihr Sohn nicht mehr zu P. wollte und er sich offenbarte, wusste sie warum. Der Psychologe soll ihn missbraucht haben! Anzeige hatte die damals junge Mutter nicht erstattet, aus Angst dass ihr niemand glauben w├╝rde und um ihren Sohn zu sch├╝tzen.

Buch soll P.’s P├Ądophilie beweisen

Auch ein Buch soll die P├Ądophilie des Beschuldigten beweisen. Dieses hat P. 2019 ver├Âffentlicht. Er relativiert darin sexuelle Handlungen mit Kindern. Der Anwalt der Nebenklage, Prof. Dr. Christian Laue, der das vermeintliche Missbrauchsopfer vertritt, hat das Buch als Beweisantrag gestellt. Alle Verfahrensbeteiligten sollen den Text zum Lesen bekommen. Ob das Gericht den Antrag zul├Ąsst, ist noch nicht klar.┬á

Zum ersten Verhandlungstag Anfang September war P. nicht erschienen, hielt sich in einer exklusiven Privatklinik in Bayern auf. Dort wurde er vor dem zweiten Termin festgenommen. Jetzt wartet P. in der JVA Saarbr├╝cken auf das Urteil. Der Prozess wird am 1. Oktober fortgesetzt.

Michi Jo Standl
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