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Der Angeklagte (rechts) mit seinem Verteidiger Michael Rehberger. Foto Standl

Missbrauchsprozess: Angeklagter gesteht in fünf Fällen

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Lesedauer 3 Minuten

Geständnis in Saarbrücker Missbrauchsprozess. Angeklagter soll Taten auch gefilmt haben.

Von Michi Jo Standl

+++ Update 10. Dezember 2020: Der Angeklagte wurde zu über sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Lesen Sie mehr dazu hier. +++

Saarbrücken. Im Missbrauchsprozess vor dem Saarbrücker Landgericht gegen den 30-jährigen H. S. zeigte sich dieser am Dienstag geständig. Er räumte ein, zwischen August und September des vergangenen Jahres und Anfang dieses Jahres insgesamt fünf Kinder missbraucht zu haben. Die vermeintlichen Taten soll er teilweise auch in einer seiner Wohnungen gefilmt zu haben. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Thomas Emanuel, warum er jetzt erst gesteht, sagte er: Nach Gesprächen mit seiner Psychologin habe er viel überlegt und fügte hinzu: „Ich habe gedacht, es wäre in Ordnung, was ich mache.“

Er soll Kinder bewusst in Waldstück gelockt haben

Bei Prozessbeginn im Frühjahr ging die Anklage von schwerem sexuellen Missbrauch an einem Jungen und sexuellem Missbrauch an einem Mädchen aus, damals 10 und 11 Jahre alt. (K’RUF berichtete). Das soll vergangenes Jahr geschehen sein. Beide soll er am Bahnhof der Kreisstadt Saarlouis angesprochen und angeboten haben, sie nach Hause zu begleiten. Die Kinder wohnten zu dem Zeitpunkt in einer Wohngruppe der Caritaseinrichtung „Haus Christophorus“.  Er soll sie in einem Waldstück missbraucht haben. Er sagte aus, den Jungen anal penetriert und das Mädchen im Genitalbereich berührt zu haben. Der vermeintliche Tatort befindet sich nicht auf direktem Weg zwischen Bahnhof und der Wohngruppe im Stadtteil Fraulautern. „Ich habe bewusst diese Strecke gewählt, weil ich Sex haben wollte“, gestand S. Den Jungen soll er auch ein- bis zwei Wochen später in seine Wohnung in der Saarlouiser Innenstadt eingeladen haben. Dort soll es zu einem weiteren Missbrauch gekommen sein. Die anderen vermeintlichen Missbrauchsfälle sollen dieses Jahr geschehen sein und kamen erst ans Tageslicht, nachdem S. erst im August in der JVA seinem Verteidiger Michael Rehberger von kinderpornographischem Material auf einer Festplatte und seinem Smartphone erzählt hatte. Die Ermittler konnten zwei Kinder identifizieren, wer das dritte Kind ist, weiß die Staatsanwaltschaft noch nicht. Neben den eigenen Videos soll S. noch jede Menge fremde Kinderpornos besessen haben.

Angeklagter soll selbst sexuell missbraucht worden sein

H. S. soll als Kind selbst missbraucht worden sein. Über Details wollte er aber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit sprechen. Der Richter gab dem Antrag statt. Verteidiger Rehberger wies darauf hin, dass sich sein Mandant schwer tue, darüber zu sprechen. Prof. Dr. Wolfgang Retz, Direktor des Instituts für Gerichtliche Psychologie und Psychiatrie der Uniklinik Homburg, hat ein Vorgutachten über den Angeklagten erstellt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie auch: Pädophilie: Die verstörenden Thesen des Angeklagten P.

Missbrauchsfälle in Deutschland 2019 pro 100.000 Einwohner

13.670 Missbrauchfälle wurden 2019 in Deutschland polizeilich erfasst. Laut Experten liegt die Dunkelziffer höher. Scrollen Sie über ein Bundesland um die Zahlen zu sehen.


Quelle: Bundeskriminalamt, PKS 2019

Michi Jo Standl
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