Foto: BMC-Picture/Dominik Beckmann

Schwäbischer Musiker über seine Erlebnisse mit der Legende

„Wir schaffen es nicht, einen zweiten Udo Jürgens aufzubauen“


Die Themen seiner Songs ranken sich um prägende Erlebnisse. Sowohl ein Aufenthalt in Afghanistan als auch eine Begegnung mit Udo Jürgens haben Tobias Haases Musik in den vergangenen Jahren beeinflusst.

Von Michi Jo Standl

An die 3.000 Shows hat Tobias Haase bisher gespielt und organisiert. Der Tübinger Singer-Songwriter am Klavier ist „eine Art Rio Jürgens oder Udo Reiser“, wie er selbst auf Rio Reiser und Udo Jürgens anspielt. Seine Texte sind immer schon voller Kraft, Tiefe und Ausdruck. Seit seinem fünften Lebensjahr beschäftigt sich der Schwabe mit Musik. Inhaltlich beeinflusst haben ihn mit Sicherheit auch zwei Nahtoderlebnisse. Im Alter von sechs Jahren litt Tobias an einer Art Immunschwäche, mit 18 Jahren hatte er einen schweren Motorradunfall. „Das hat mich geprägt“, sagt Tobias nachdenklich, „denn danach war nichts mehr, wie es war.“

In Afghanistan Schlimmes erlebt

Tobias Haase (li.) in Afghanistan. Foto: privat

Tobias Haase kennt das Leben, sucht auch seine Herausforderungen. 2013 bekam er eine Anfrage über Facebook, ober er bereit wäre, in Afghanistan an Benefizkonzerten zugunsten eines Kinderkrankenhauses in Kabul mitzuwirken. Er sagte zu. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, dass er bei dem Aufenthalt einem Angriff der Taliban knapp entgehen wird – nach den Nahtoderlebnissen sein drittes einschneidendes Erlebnis. Und das hat ihn zu seinem Album Weissmuster inspiriert.

Udo Jürgens sollte die Lieder nicht mehr hören

Tobias hat seine letzten 500 Euro genommen und ist ins Studio gefahren, um an einem Nachmittag das Album einzuspielen. Udo Jürgens hat er immer schon für seine starken Texte bewundert. Der Schwabe erinnert sich an einen Berührungspunkt mit dem legendären Superstar. Als er einmal in einer Bar im SI-Centrum Stuttgart gespielt hat, kam Udo Jürgens zur Tür herein. Er verkehrte öfter dort. „Man hat sich gegrüßt und als Kollegen respektiert“, erinnert sich Tobias. Und genau jene Begegnung bewegte den Musiker dazu, die Songs an Udos Manager Freddy Burger nach Zürich zu schicken. Die Antwort: Nachdem Udo Jürgensʼ Tour zu Ende ist, werde man sich mit Tobias zusammensetzen und darüber sprechen.

Haase ist Vollblutmusiker. Foto: privat

Dazu sollte es aber nicht mehr kommen. Udo Jürgens verstarb wenige Wochen später am 21. Dezember 2014. Im folgenden Jahr traute sich Tobias noch einmal nachzufragen. Die Antwort aus Zürich: „Die Songs sind toll, wir schaffen es aber emotional nicht, einen zweiten Udo Jürgens aufzubauen.“ Das war auch eine der vielen Begebenheiten, die Tobias Haase zu dem gemacht haben, was er heute ist: ein Songwriter mit Tiefgang, der seinem Publikum selbst Erlebtes präsentiert. „Meine Songs sind nicht tagesaktuell“, beschreibt er sein Schaffen, „sie gelten fürs ganze Leben.“ So wie Udos Werke für die Ewigkeit.