Interview: Bernhard Brink über Demenz

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin

Bernhard Brink

„Musik gibt demenzkranken Menschen Halt“

Interview: Michi Jo Standl

Foto: monsterpics/Electrola
Foto: monsterpics/Electrola

Bernhard Brink zählt seit Jahrzehnten zur Schlagerelite. Ende Juni erschien sein neues Album „Mit dem Herz durch die Wand“. Der Sänger sieht sich als Unterhalter, doch er beschäftigt sich auch mit tiefgehenden Themen. Im Vorjahr hat er als Co-Autor ein Buch über Demenz veröffentlicht. Im Interview erzählt der Künstler, wie es dazu gekommen ist und was sein neues Album für ihn bedeutet.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit der Autorin Eva-Maria Popp gekommen?
Brink: In dem Buch geht es vor allem um die Rolle von Musik in Zusammenhang mit Demenz. Nachdem Eva-Maria Popp die Geschichte meines Vaters gehört hatte, hat sie mich gefragt, ob ich sie in dem Buch erzählen möchte.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Die Geschichte Ihres Vaters?
Brink: Ja, mein Vater ist vor vielen Jahren an Demenz verstorben. Er wurde damals fälschlicher Weise wegen Parkinson behandelt. Insofern war es immer ein Thema, schon bevor mich Eva-Maria gefragt hat. Damals war die Medizin noch nicht soweit. Heute ist Demenz eine moderne, richtig bekannte Krankheit, weil sie in aller Munde ist.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie haben Sie die Krankheit Ihres Vaters erlebt?
Brink: Ein Schlüsselerlebnis war für mich, als mein Vater eines Tages seine eigene Frau, also meine Mutter, nicht mehr erkannt hat. Das war für mich sehr schlimm.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welche Bedeutung hat nun Musik für Menschen, die Demenz haben?
Brink: Demenzkranke vergessen vor gegenwärtige Dinge. Musik ist etwas Bleibendes. Alte Menschen erinnern sich an alte Lieder. Zum Beispiel „Rote Lippen soll man küssen …“ (Brink stimmt das Lied an) „… denn zum Küssen sind sie da …“ kennen sie alle noch. Musik gibt den Menschen Halt.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Musik bleibt also bis in die Unendlichkeit?
Brink: Genau! Deshalb haben wir auch den Titel meines Songs „Von hier bis zur Unendlichkeit“ für das Buch gewählt.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie wichtig ist Zusammenhalt mit demenzkranken Familienangehörigen?
Brink: Sehr wichtig, nicht nur in diesem Fall. Die Welt ist aus den Fugen geraten, aber auch viele Menschen sind kalt geworden. Der Titel meines neuen Albums „Mit dem Herz durch die Wand“ erinnert daran, dass man Gefühle zulassen soll – das Gegenteil von „Mit dem Kopf durch die Wand“. Nicht stur seinen Weg gehen, sondern mit Gefühl und Liebe.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Ist das Album ein „typischer Brink“?
Brink: Sehr modern und hippe Arrangements, die Handschrift des Produzenten Henning Verlage, der auch gemeinsam mit dem Grafen von Unheilig den Song „Von hier bis zur Unendlichkeit“ geschrieben hat. Man kann schon sagen: Ja!


Das Interview ist Teil meiner Reportage STAUGEFAHR IM GEHIRN – verbesserte Hilfe für Demenzkranke.