Das sagen Promis zum deutschen ESC-Konzept

Schicken wir unsere Künstler mit den falschen Songs zum Eurovision Song Contest?

 

Foto: NDR

Unsere Levina landete 2017 auf dem sechsten, Michael Schulte holte 2018 immerhin den vierten Platz. Seit Lenas Super-Sieg 2011 in Oslo mit „Satellite“ will es aber aus deutscher Sicht nicht mehr so recht klappen! Wer dieses Jahr zum ESC nach Tel Aviv fährt, haben bei der Vorentscheidung wieder mehrere Jurys und die TV-Zuschauer entschieden: Das Duo „S!sters“! Der Song „Sister“ getragen, ruhig – zu langweilig, zu anspruchsvoll? User mutmaßen in Kommentaren auf der offiziellen deutschen ESC-Website bereits jetzt: „Germany 0 Points“ oder „Oh je, die nächste Nullnummer für Germany!“ Prominente haben sich Gedanken darüber gemacht, ob das Abstimmungssystem des NDR vielleicht zu kompliziert ist, ob der ESC überhaupt noch Sinn macht und ob wir mit dem jedes Jahr sehr ähnlichen musikalischen Stil überhaupt eine Chance haben. Oder geht es tatsächlich um die gegenseitige Nachbarschaftshilfe anderer Länder?

Götz Alsmann

Jazzmusiker und Moderator

„Den Wettbewerb kann man in der Pfeife rauchen.“

Foto: Fabio Levino/Blue Note Germany

„Der Eurovision Song Contest ist auf einem erschreckend niedrigen Niveau. Traditionalisten wie ich erinnern sich gerne daran, dass der ESC früher ein Komponistenwettbewerb war. Jetzt ist es ein Pyrotechnik- und Ballettwettbewerb. Meiner Meinung nach sollte Deutschland gar nicht mehr am ESC teilnehmen. Es ist auch schade, dass die Künstler nicht mehr in ihrer Landessprache singen. Den Wettbewerb kann man in der Pfeife rauchen.“
Udo Jürgens, Grand-Prix-Gewinner 1966, war 2002 in der 222. Sendung von Alsmanns Show „Zimmer frei“ (WDR, 1996 bis 2016) zu Gast.

Sascha Pierro

Sänger der Latino-Pop-Band Marquess

„Ein guter Song und ein guter Künstler genügen.“

Foto: Marquess

„Ich finde, in den vergangenen Jahren lag aus deutscher Sicht ein kleiner Fluch auf dem ESC. Es ist nicht in Ordnung, dass Deutschland in den Jahren vor dem Erfolg in diesem Jahr (2018, Anm.) so schlecht abgeschnitten hat. Das kann man eine Pechsträhne nennen. Manchmal geht man zu verkrampft an die Sache heran. Manche Künstler wollen so etwas Besonderes machen, dass es am Ende gar nichts Besonderes mehr ist. Ein guter Song und ein guter Künstler genügen. Auf den Schnickschnack drumherum sollte man verzichten.“
Der Hannoveraner nahm zweimal am ESC-Vorentscheid teil, 2003 als Solist und 2008 mit Marquess.

Alfred Jaklitsch

Gründer und kreativer Kopf der österreichischen Band Seer

„Protektion und Staatengemeinschaften spielen eine Rolle.“

Foto: Simone Attisani Photography

„Leider spielen Protektion unter Staatengemeinschaften und politische Strukturen eine Rolle. Dadurch wird es für Deutschland und Österreich immer schwierig sein, außer man hat so ein Gesamtpaket wie Conchita Wurst. Nur ein guter Sänger und ein gutes Lied genügen nicht. Der Auftritt muss plakativ sein. Uns bleibt nicht mehr, als den olympischen Gedanken in die Mitte zu rücken, dabei sein ist alles.“
Alfred Jaklitschs weltweit erfolgreiche Eurodance-Band Joy wurde Anfang der achtziger Jahre von Michael Scheickl produziert. Scheickl nahm 1982 gemeinsam mit Elisabeth Engstler als Duo Mess für Österreich am Grand Prix teil.

Wolfgang „Bubi“ Heilemann

Starfotograf und ehemaliger „Bravo“-Chefredakteur

„Die heutigen Songs sind zu langweilig.“

Foto: Renate Heilemann/rockfoto.de

„Die heutigen Songs sind zu langweilig. Ich will kein Gejammer hören. Abba – das war noch Musik! Wenn Sie morgens auf dem Weg zur Arbeit flotte Lieder hören, starten Sie doch viel fröhlicher in den Tag!“
Der legendäre Fotograf war dabei, als ABBA 1974 mit „Waterloo“ den Grand Prix de la Chanson gewonnen haben. Er ist schon lange mit den Schweden befreundet.

 

 

Interviews: Michi Jo Standl, 2018