STARFOTOGRAF WOLFGANG „BUBI“ HEILEMANN


ABBA waren nie weg!


Wolfgang „Bubi“ Heilemann war als „Haus- und Hof-Fotograf“ der legendären Schweden ganz nah dran. hossa! sprach mit dem ehemaligen
Bravo-Macher über das vermeintliche ABBA-Comeback.

Von Michi Jo Standl

Foto: Universal Music

Es war der 11. Dezember 1982. Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid sind zu Gast in der Late Breakfast Show des BBC. Während sie gut einen Monat vorher in der gleichen Sendung im Studio in London zu Gast waren, werden sie diesmal via Satellit live aus Stockholm zugeschaltet. Einer von unzähligen TV-Auftritten seit ihrem Sieg beim Grand Prix de la Chanson 1974 im südenglischen Brighton? Aus heutiger Sicht nicht!

Britische ABBA-Fans ahnten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass in der Liveshow ihres Senders der letzte gemeinsame Auftritt der schwedischen Superstars überhaupt stattfindet. Ob es den vier damals bewusst war, darüber kann nur spekuliert werden. Während Björn und Benny in der November-Sendung eine Trennung – Gerüchte gab es – verneinten, kündigten sie in der Dezember-Show eine Pause an. Wie lange diese dauert, wüssten sie aber nicht. Heute weiß man: Das war der letzte Auftritt von ABBA – keine Abschiedstour, keine offizielle Auflösung.

Kein echtes Comeback

Versuche, die Band in den folgenden Jahrzehnten mit viel Geld zu Auftritten zu bewegen, scheiterten. Im April dieses Jahres platzte die Bombe: ABBA haben zwei Songs aufgenommen, allerdings bereit vergangenes Jahr. Kommenden Dezember sollen sie veröffentlicht werden. Der legendäre Starfotograf Wolfgang Heilemann sieht den Paukenschlag lockerer. Der 76-Jährige arbeitete für das Jugendmagazin Bravo und wurde später dessen Chefredakteur. „ABBA waren all die Jahre aktiv, auch gemeinsam“, so Heilemann. Er muss es wissen. Denn der legendäre Fotograf steht heute noch in Kontakt mit Björn und Benny, telefoniert sogar von Zeit zu Zeit mit ihnen. „Das wurde nur von Medien als Sensations-Comeback aufgebauscht.“

Allein von den Tantiemen könnten ABBA gut leben. Man würde gerne ausschließen, dass sie den Dezember mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft als Veröffentlichungstermin gewählt haben. Aber Heilemann sagt: „Doch! Die nehmen alles mit, was mit Geld zu tun hat.“ Er vergleicht die Arbeitsweise „der ABBAs“ mit der des englischen Königshauses: „Gemeinsam mit dem Management wird beschlossen, ob etwas gemacht wird.“ Der erfahrene Medienmensch lacht: „Bei den Royals haben sie sich das vielleicht auch abgeschaut.“ Aufgrund so einer Entscheidung sind sie zum Beispiel 2016 gemeinsam bei der Eröffnung ihres Restaurants Mamma Mia! The Party in Stockholm aufgetreten – zu PR-Zwecken. Gesungen haben sie zwar nicht, aber es entstand ein gemeinsames Foto. Dass es zu den erwarteten Songs ein gemeinsames offizielles Fotoshooting geben wird, bezweifelt Heilemann.

Konzerte? Fehlanzeige!

„Aber eines kann ich versprechen“, so der Fotograf, „auftreten werden sie nie mehr zusammen.“ Er weiß es aus der sichersten Quelle: „Björn sagte zu mir bei einem Treffen in München, niemand wolle alte Leute auf der Bühne sehen.“ Fans bleiben also nur die zwei neuen Songs I Still Have Faith In You und Don’t Shut Me Down sowie die Vorfreude auf die für 2019 oder 2020 angekündigte Avatar-ABBA-Tour. Auch bei dieser werden die Schweden nicht auf der Bühne stehen, sondern durch Hologramme ersetzt werden. Sie werden so aussehen, wie man sie aus dem Jahr 1979 in Erinnerung hat.

Bubi wusste es schon vorher
Foto: Renate Heilemann/rockfoto.de

Wolfgang Heilemann lernte ABBA 1974 beim Grand Prix de la Chanson in Brighton kennen. Er war für die Bravo als Fotograf vor Ort. „Niemand hatte damit gerechnet, dass ABBA mit Waterloo gewinnen würden“, erinnert er sich, „aber ich prophezeite: Die machen das!“ Er verstand sich gut mit den Schweden, und auf der Party nach dem Wettbewerb fragten sie ihn, ob er auch exklusiv für sie fotografieren würde. Aus dieser Begegnung sollte eine jahrelange Zusammenarbeit entstehen. Heilemann hat in Folge die ABBA-Mitglieder nicht nur zu Hause fotografiert, sondern auch etliche Plattenhüllen bebildert.

Logo aus Versehen

Auch das Logo mit dem spiegelverkehrten B haben ABBA Heilemann zu verdanken, allerdings eher zufällig. 1976 fotografierte er die Band vor einem Auftritt in der Sendung Disco mit Ilja Richter. Dabei war vorgesehen, dass Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid ihren jeweiligen überdimensionalen Initial-Buchstaben in der Hand halten. Benny hielt sein B aus Versehen verkehrt herum, was erst nach Ende der Fotosession auffiel. ABBA sahen den Fauxpas als Marketinginstrument und machten kurzerhand ihr typisches Logo daraus.